hallo{"id":97,"date":"2008-10-01T18:14:34","date_gmt":"2008-10-01T17:14:34","guid":{"rendered":"http:\/\/gruene-bag-frauenpolitik.de\/?p=97"},"modified":"2015-03-02T18:17:58","modified_gmt":"2015-03-02T17:17:58","slug":"abschlussbericht-der-arbeitsgruppe-gendergruen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gruene-bag-frauenpolitik.de\/?p=97","title":{"rendered":"Abschlussbericht der Arbeitsgruppe GenderGr\u00fcn"},"content":{"rendered":"<div class=\"style\">\n<h2 class=\"paragraph_style_4\">Gender und Geschlechtergerechtigkeit bei B\u00fcndnis 90\/DIE GR\u00dcNEN<\/h2>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Nach der Bundesdelegiertenkonferenz im Dezember 2006 in K\u00f6ln entschloss sich der Bundesvorstand, eine Arbeitsgruppe zum Thema Geschlechtergerechtigkeit einzurichten. Ausschlaggebend hierf\u00fcr war die Auswertung des Zukunftskongresses im Sommer 2006 aus Sicht frauenpolitischer Gremien. \u00dcbereinstimmend wurde festgestellt, dass der programmatische Anspruch von B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN, Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen und in allen Strukturen der Partei zu verwirklichen, noch lange nicht erreicht ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Wissen \u00fcber Gender, Geschlechterdemokratie und Frauenpolitik ist in der Partei zwar verankert, die konkrete Ber\u00fccksichtigung beschr\u00e4nkt sich allerdings h\u00e4ufig nur auf die frauenpolitischen Gremien.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">F\u00fcr eine Partei, die einen feministischen Hintergrund hat, f\u00fcr die eine emanzipative Frauenpolitik ein Alleinstellungsmerkmal ist und die sich der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet f\u00fchlt, ist es notwendig, Kompetenzen in diesem Bereich in der Mitgliedschaft st\u00e4rker zu verankern.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Bei der Auswertung des Kongresses stellten die Frauengremien fest, dass es nicht allein ihre Aufgabe bleiben kann, sich um die Genderthematik zu k\u00fcmmern, da sie sonst vor einem Legitimations- und \u00dcberforderungsproblem stehen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Als Konsequenz wurde vom Bundesvorstand eine Arbeitsgruppe beauftragt, sich mit dieser Thematik auseinander zusetzen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Aufgabe dieser Arbeitgruppe sollte es sein, Vorschl\u00e4ge zu erarbeiten, wie Gender als Querschnittsperspektive strukturell und inhaltlich in die Arbeit der Partei implementiert werden kann.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die Ausgangslage f\u00fcr eine AG, an der sich auch &#8222;Externe&#8220; beteiligten, war g\u00fcnstig: Auch das GWI in der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung besch\u00e4ftigte sich f\u00fcr sein eigenes Arbeitsfeld nahezu zeitgleich mit \u00e4hnlichen Fragestellungen. Es beschloss daher, sich an der AG im Interesse eines Perspektivenaustauschs und  Kompetenzaufbaus zu beteiligen. Zus\u00e4tzlich wurden weitere externe ExpertInnen mit verschiedenen Kompetenzen eingeladen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die Gruppe insgesamt war: f\u00fcr den Bundesvorstand Astrid-Rothe-Beinlich; Ulrike Allroggen, Henning von Bargen und Gitti Hentschel vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung; Kattrin Bauer und Nina Katzemich aus der Bundestagsfraktion; Claudia Schlenker, die Bundesfrauenreferentin; Anja Kofbinger als Vertreterin der BAG Frauenpolitik; Martin Wilk, Referent von Astrid Rothe-Beinlich; und Dag Sch\u00f6lper als Politologe und Mitglied des Forum M\u00e4nner in Theorie und Praxis der Geschlechterverh\u00e4ltnisse.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">In der folgenden Zusammenfassung konzentrieren wir uns auf die \u00dcberlegungen und Ergebnisse v.a. unter Bezugnahme auf die gr\u00fcne Partei, auch wenn andere institutionelle Bedingungen einbezogen und thematisiert wurden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_6\">Warum Gender?<\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Ein Blick auf die \u00f6ffentlichen Diskussionen und die politischen Entscheidungsprozesse macht deutlich, dass die Auswirkungen politischen Handelns auf die Geschlechterverh\u00e4ltnisse noch immer nicht selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil der Wirkungsanalyse sind.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die Kategorie &#8222;Geschlecht&#8220; im Sinne von &#8222;Gender&#8220; ist jedoch eine der zentralen Gr\u00f6\u00dfen, an denen sich gesellschaftliche Ungleichheit formiert. Egal ob es um Lohnungleichheit, Jugendgewalt oder Friedens- und Sicherheitspolitik geht, jegliches politisches Handeln hat wenigstens mittelbar Auswirkung auf die Geschlechterverh\u00e4ltnisse. Die Einbeziehung dieser Kategorie ist zentral f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Fragen sozialer Gerechtigkeit und Voraussetzung, um ein umfassendes Verst\u00e4ndnis von gesellschaftlichen Konfliktlinien zu bekommen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die Besch\u00e4ftigung mit Geschlechterrollen, Geschlechterverh\u00e4ltnissen und Geschlechtergerechtigkeit muss daher zentral f\u00fcr gr\u00fcne Politik insgesamt sein, um die sozialen, politischen und \u00f6konomischen Herausforderungen gegenw\u00e4rtiger Gesellschaften bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Dar\u00fcber hinaus ist die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit auch eine Frage von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Innovationskraft. Die strukturelle Benachteiligung eines Geschlechts hemmt nicht nur den Zusammenhalt, sondern auch die Leistungsf\u00e4higkeit einer Gesellschaft erheblich.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Moderne demokratische Gesellschaften sind darauf angewiesen, Chancengleichheit f\u00fcr alle Menschen herzustellen, da sie ansonsten Gefahr laufen, sozial und kulturell gespalten zu werden. Geschlechtergerechtigkeit ist daher immer auch eine Frage von Demokratie und Gerechtigkeit in einem umfassenden Sinn.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_6\">Frauenpolitik und Genderpolitik<span class=\"style_4\"><br \/>\n<\/span><\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">In den \u00f6ffentlichen und parteiinternen Debatten ist auff\u00e4llig, dass die Verantwortung f\u00fcr das Thema Geschlechtergerechtigkeit von den meisten Akteurinnen und Akteuren als Aufgabe der Frauenstrukturen wahrgenommen wird. Durch das einseitige Delegieren des Themas an das weibliche Geschlecht wird eine problematische Sichtweise reproduziert und verfestigt, die es ja eigentlich zu durchbrechen gilt.  Die Annahme, dass die Kategorie Geschlecht allein f\u00fcr Frauen ein Problemfeld von Benachteiligung und Diskriminierung darstellt, \u00fcbersieht einerseits, dass auch M\u00e4nner \u2013 wenn auch in geringerem Ma\u00df &#8211; ebenfalls Benachteiligungen und Diskriminierungen aufgrund geschlechtsspezifischer Zuschreibungen und Rollenerwartungen erfahren. Andererseits wird ausgeblendet, dass und inwiefern M\u00e4nner an der strukturellen Herstellung und Verstetigung geschlechtlich konnotierter Benachteiligungen und Diskriminierungen beteiligt sind. Ein Aufbrechen dieser gesellschaftlichen Strukturen h\u00e4ngt daher in hohem Ma\u00dfe auch von ihrer Bereitschaft ab, sich an dem Diskussionsprozess zu beteiligen und umzudenken.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Bisher sind es vor allem die frauenpolitischen Gremien bei B\u00fcndnis 90\/ Die Gr\u00fcnen, in denen dies diskutiert wird. Hier ist ein hohes Ma\u00df an Gendersensibilit\u00e4t vorhanden, gleichwohl werden in ihnen die Diskussionen bewusst aus frauenspezifischer Sicht gef\u00fchrt. So kommt es, dass Genderpolitik parteiintern h\u00e4ufig mit Frauenpolitik gleichgesetzt oder als frauenpolitische Aufgabe verstanden wird. Ein Problem, das es auch in anderen institutionellen Zusammenh\u00e4ngen, z.B. in einzelnen Bereichen der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung gibt. Doch in Fachkreisen au\u00dferhalb wird diese Praxis als Etikettenschwindel (Stichwort alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen) wahrgenommen und kritisiert. Auch in internen Kreisen w\u00e4chst das Bewusstsein, dass die Partei mit dieser Vorgehensweise dem Thema Geschlechterpolitik auf Dauer nicht gerecht werden kann.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Vor diesem Hintergrund war es der Arbeitsgruppe ein zentrales Anliegen, zu einer klareren inhaltlichen und begrifflichen  Differenzierung von Gender-, Frauen- und Gleichstellungspolitik und Feminismus zu kommen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_5\">Frauenpolitik<\/span><span class=\"style_3\"> bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen liegt ein feministisches Verst\u00e4ndnis zugrunde und hat vor allem die Bek\u00e4mpfung der direkten und strukturellen Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen in allen Bereichen im Blick. Frauenpolitik ist somit ein eigenst\u00e4ndiger Politikbereich, gleichzeitig muss sie aber auch als Querschnittsthema verstanden werden, das in allen Politikbereichen bearbeitet werden muss.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_5\">&#8222;Genderpolitik&#8220;<\/span><span class=\"style_3\"> bezeichnet nicht im gleichen Ma\u00dfe ein spezifisches Politikfeld, sondern verweist auf Fragen der Geschlechtergerechtigkeit in allen gesellschaftlichen und politischen Teilbereichen. Als politisches Handlungsfeld geht es &#8222;<\/span><span class=\"style_5\">Genderpolitik<\/span><span class=\"style_3\">&#8220; darum, diese Fragen zu thematisieren und Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung von mehr Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen. &#8222;<\/span><span class=\"style_5\">Genderpolitik<\/span><span class=\"style_3\">&#8220; rekurriert auf die immer noch vorhandenen und wirksamen patriachalen Strukturen und traditionellen Geschlechterbilder, die vor allem Frauen, aber auch M\u00e4nner diskriminieren und in ihrer Selbstverwirklichung einschr\u00e4nken.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Eine politische Strategie, die in den letzten Jahren f\u00fcr die Analyse und Problembek\u00e4mpfung etabliert wurde, ist das Gender-Mainstreaming. Gender Mainstreaming stellt zum einen Instrumente bereit, die eine Analyse der Auswirkungen von gesellschaftlichen Strukturen und Entscheidungen auf die Geschlechterrollen erm\u00f6glichen. Des Weiteren bietet es auch Methoden, wie die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern systematisch in die Planung und Durchf\u00fchrung von Ma\u00dfnahmen integriert und damit strategisch als langfristiges Ziel politischen Handelns installiert werden kann.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen Strukturen und Verh\u00e4ltnisse benachteiligen die gesellschaftliche Gruppe Frauen durchschnittlich st\u00e4rker. Deshalb ist es notwendig, Frauenpolitik zur St\u00e4rkung dieser Gruppe beizubehalten. Parallel dazu muss eine Geschlechterpolitik durchgesetzt werden, die kontinuierlich die Strukturen und Rollenerwartungen hinterfragt, die diese Benachteiligung hervorbringen, und auf ihre \u00dcberwindung hinwirkt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">In diesem Sinne sind bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen die Ziele von Frauenpolitik und von &#8222;Genderpolitik&#8220; dieselben: die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern. Dennoch k\u00f6nnen und m\u00fcssen unterschiedliche Wege beschritten werden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_7\">M\u00e4nner als Dialogpartner<\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Dass die &#8222;Geschlechterfrage&#8220; oft in die Frauengremien delegiert wird, f\u00fchrt dazu, dass viele AkteurInnen sie aus dem Blick verlieren und somit die Geschlechtersensibilit\u00e4t und -kompetenz in der Partei nicht weiter ausgebaut wird.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Diese Themen sollten jedoch nicht ausschlie\u00dflich <\/span><span class=\"style_5\">in<\/span><span class=\"style_3\">, sondern vielmehr <\/span><span class=\"style_5\">mit<\/span><span class=\"style_3\"> den Frauengremien diskutiert werden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">W\u00fcnschenswert ist, dass Geschlechterpolitik zu einem echten Querschnittsthema wird, mit dem sich die unterschiedlichen Gremien auch in ihren Themengebieten regelm\u00e4\u00dfig befassen. Dabei sollte ber\u00fccksichtigt werden, dass es sich auch bei dem Wissen \u00fcber &#8222;Gender&#8220; und seine Implikationen um Fachwissen handelt. Dieses ist in Teilen der Partei durchaus bereits vorhandenen und sollte daher f\u00fcr diese Debatten genutzt werden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass vor allem bei M\u00e4nnern bisher das Interesse, sich mit den Geschlechterverh\u00e4ltnissen und deren politischer Relevanz auseinander zusetzen, eher gering ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Eine zentrale Aufgabe wurde deshalb auch darin gesehen, die aktiven und interessierten M\u00e4nner, aber auch alle anderen, f\u00fcr \u00f6ffentliche Diskussionen zu gewinnen und zu ermutigen, um eine breitere \u00d6ffentlichkeit anzusprechen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_6\">Herausforderungen bei den Gr\u00fcnen<span class=\"style_6\"><br \/>\n<\/span><\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die Geschlechterfrage ist in den letzten Jahren in den Fokus politischer Debatten ger\u00fcckt. Auch dem &#8222;politischen Mainstream&#8220; wird allm\u00e4hlich bewusst, dass die Kategorie &#8222;Geschlecht&#8220; bei vielen zukunftsentscheidenden Fragen und Weichenstellungen in unserer Gesellschaft eine tragende Rolle spielt \u2013 sei es bei der Bildung, der Behebung des wachsenden Fachkr\u00e4ftemangels oder auch der demografischen Entwicklung.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die Gr\u00fcnen haben hier einen Vorsprung gegen\u00fcber anderen Parteien: Frauenpolitik  und Geschlechterfragen haben von Anfang an das gr\u00fcne Selbstverst\u00e4ndnis bestimmt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Auf diesem Feld werden den Gr\u00fcnen gro\u00dfe Kompetenzen zugeschrieben. Diesen Vorteil gilt es, strategisch zu nutzen. Daf\u00fcr ist auch der Bereich Geschlechterpolitik weiterzuentwickeln.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_8\">Strukturen<\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Innerhalb der Partei m\u00fcssen Strukturen und Institutionen gefunden werden, in denen Gender-Fragen von Allen diskutiert werden. Dies stellt eine zentrale Herausforderung f\u00fcr B\u00fcndnis 90\/DIE GR\u00dcNEN dar.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Dabei stehen vor allem die Fragen im Mittelpunkt, wo diese Diskussionen um Gender-Themen am besten gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Sollte, um die Geschlechterverh\u00e4ltnisse innerhalb der Partei und in den politischen Debatten kritisch zu reflektieren, ein institutioneller Rahmen geschaffen werden und wenn ja, welcher? Es m\u00fcssen Orte geschaffen werden, wo \u00fcber Gender diskutiert werden kann, ohne diese Diskussion ausschlie\u00dflich in den Frauengremien anzusiedeln. Davon unber\u00fchrt bleibt die Aufgabe, die Gender-Relevanz eines Themas, wie oben dargelegt, in allen Politikfeldern integriert zu diskutieren.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">In der Politik von B\u00fcndnis 90\/ Die Gr\u00fcnen darf es daher kein <\/span><span class=\"style_5\">Entweder-Oder<\/span><span class=\"style_3\"> geben, Frauenpolitik kann nicht gegen\u00fcber Genderpolitik ausgespielt werden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Vielmehr muss gr\u00fcne Geschlechterpolitik im Sinne von Gender Mainstreaming immer als Doppelstrategie begriffen werden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_8\">Wie kann Gender-Politik diskutiert werden?<\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Neben der Frage nach den Strukturen, in denen Gender-Diskussionen gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, gilt es auch die Frage zu beantworten, durch welche Art der Diskussion, bzw. welche Themensetzung das Interesse an Genderfragen geweckt werden kann.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Da in allen politischen Fachbereichen Geschlechterkonstruktionen eine Rolle spielen, sollten gr\u00fcne FachpolitikerInnen verst\u00e4rkt in ihrer Arbeit darauf achten, die Gender-Relevanz ihres Themas in ihre Arbeit einzubeziehen und dabei bewusst auf die existierende Kompetenz aus den fraupolitischen Gremien zur\u00fcckgreifen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Anderseits ersetzt jedoch die Konsultation dieser Gremien nicht die eigenst\u00e4ndige Auseinandersetzung mit Geschlechterbildern und Geschlechtergerechtigkeit im jeweiligen Politikbereich.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Bei der Diskussion in der Arbeitsgruppe wurde klar, dass es sinnvoll sein kann, einzelne Politikbereiche zu definieren, in denen sich eine themenspezifische Sensibilisierung anbietet. So kann beispielhaft auf die Bedeutung von Gender Mainstreaming hingewiesen und diese erkl\u00e4rt werden. Die Schwerpunktsetzung kann dazu beitragen, die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das &#8222;Gender-Thema&#8220; <\/span><span class=\"style_5\">an sich<\/span><span class=\"style_3\"> innerhalb der Partei zu erh\u00f6hen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Die h\u00e4ufig abstrakt wirkenden Diskussionen \u00fcber die Konstruktion von Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit m\u00fcssen auf tagespolitische Debatten herunter gebrochen werden, damit es gelingt, die Bedeutung von Geschlechterkonstruktionen f\u00fcr das praktische politische Handeln deutlich zu machen. Die Arbeit an bestimmten Themenschwerpunkten ist unter diesem Aspekt zielf\u00fchrender.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">In der Arbeitsgruppe haben wir uns deshalb darauf geeinigt, die Genderaspekte in der Diskussion um die Zukunft der sozialen Sicherung beispielhaft f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Debatte aufzubereiten.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Gleichzeitig haben wir nach neuen Vermittlungsformen bzw. Diskussionsformen gesucht, um \u00fcber Genderpolitik zu diskutieren. Dazu haben wir mit der Entwicklung eines Fragebogens f\u00fcr die Delegierten der BDK den Versuch gestartet, eine neue Form der Ansprache zu finden. Dabei hat sich gezeigt, dass an der konkreten Arbeit an einem klar definierten Projekt die Diskussion um Gender-, Frauen- und Gleichstellungsfragen sehr viel leichter gef\u00fchrt werden kann. Als weitere Ideen f\u00fcr Vermittlungsformen standen die Entwicklung und Planung von Veranstaltungen, Konzeption einer Ausstellung oder eines Films im Raum.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_8\">Sprache<\/h3>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Weiterhin wurde in der Arbeitsgruppe die Bedeutung von geschlechtergerechter Sprache hervorgehoben. Sprache als Medium transportiert mehr als nur W\u00f6rter. Das Verwenden einer geschlechtergerechten Sprache repr\u00e4sentiert den Anspruch der gr\u00fcnen Partei, Ungerechtigkeitsverh\u00e4ltnisse zwischen den Geschlechtern aufzeigen und \u00fcberwinden zu wollen. Viele Beschl\u00fcsse, Antr\u00e4ge und sonstige politische Papiere bei B\u00fcndnis 90\/ Die Gr\u00fcnen sind sowohl in formeller als auch in sprachlicher Hinsicht nicht geschlechtergerecht abgefasst. Offensichtlich fehlen in der Partei konkrete Kriterien, mit Hilfe derer Texte in eine geschlechtergerechte Sprache gebracht werden k\u00f6nnen. Hier wurde ein Handlungsbedarf festgestellt. Kriterien f\u00fcr geschlechtergerechte Formulierungen sollten sich die Parteigremien auf Bundesebene zu Eigen machen und m\u00f6glichst auch in den Landes- und Kreisverb\u00e4nden verwendet werden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph_style_5\"><span class=\"style_3\">Gravierender als die Festlegung von Sprachregeln ist nat\u00fcrlich die Frage, inwiefern die VerfasserInnen eines politischen Textes der Gender-Perspektive inhaltlich Rechnung getragen haben. Beschl\u00fcsse nur im Nachhinein formal in geschlechtergerechte Sprache zu \u00fcbersetzen, ist kein zielf\u00fchrender Ansatz. Die VerfasserInnen m\u00fcssen Gender-Fragen bewusst in ihre Argumentation aufnehmen. Dieser Prozess kann durch die Verpflichtung zur Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache allerdings bef\u00f6rdert werden \u2013 sie kann Denkanst\u00f6\u00dfe ausl\u00f6sen, f\u00fcr die es bei einer nachtr\u00e4glichen \u00dcberarbeitung bereits zu sp\u00e4t ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3 class=\"paragraph_style_9\"><span class=\"style_6\">Zusammenfassend lassen sich die Ergebnisse dieser Gruppe folgenderma\u00dfen darstellen:<br \/>\n<\/span><\/h3>\n<ul>\n<li class=\"full-width\">\n<p class=\"paragraph_style_10\"><span class=\"style_3\">Die Frage, wie das Interesse vor allem von M\u00e4nnern an Gender-Fragen geweckt werden kann, ist noch offen. Eine M\u00f6glichkeit liegt darin, deutlicher aufzuzeigen, wie M\u00e4nner im Alltag von Gender-Fragen betroffen sind und welche Chancen f\u00fcr sie in bewusster Gender-Politik liegen. Hier bedarf es weiterhin viel \u00dcberzeugungskraft und Aktivit\u00e4ten, um dieses Bewusstsein zu schaffen. Aber es setzt auch die Bereitschaft der M\u00e4nner voraus, eigene Rollenmuster zu hinterfragen und einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Bei den Gr\u00fcnen kommt vor allem der F\u00fchrungsebene  in dieser Hinsicht eine besonders gro\u00dfe Verantwortung zu.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li class=\"full-width\">\n<p class=\"paragraph_style_10\"><span class=\"style_3\">Die Partei muss entscheiden, ob eigene Strukturen und Diskussionsforen f\u00fcr M\u00e4nner notwendig sind, in denen diese Arbeit geleistet werden kann, auch wenn diese derzeit noch nicht von M\u00e4nnern selbst eingefordert wird.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li class=\"full-width\">\n<p class=\"paragraph_style_10\"><span class=\"style_3\">Das Befassen mit der Gender-Thematik darf nicht l\u00e4nger in die Frauengremien oder an die Frauenpolitik delegiert werden. Gender-Politik und Gender-Analyse sind auch f\u00fcr Frauenpolitik essentiell; sie kann es aber nicht leisten, stellvertretend f\u00fcr die M\u00e4nner diese Diskussion zu f\u00fchren. Fest steht, dass Geschlechtergerechtigkeit nur \u00fcber eine Doppelstrategie erreicht werden kann, die sowohl Gender- als auch Frauenpolitik angemessen ber\u00fccksichtigt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li class=\"full-width\">\n<p class=\"paragraph_style_10\"><span class=\"style_3\">Das &#8222;Gendern&#8220; von Texten und Beschl\u00fcssen allein ist ein wichtiges, aber bei weitem kein ausreichendes gesellschaftliches Signal, dass der Partei das Thema Geschlechtergerechtigkeit wichtig ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li class=\"full-width\">\n<p class=\"paragraph_style_10\"><span class=\"style_3\">Um eine h\u00f6here Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema Gender zu erzeugen, sind spannende, praktisch ausgerichtete \u00f6ffentliche Debatten erforderlich. Sinnvoll ist es, einzelne Politikbereiche exemplarisch auszuw\u00e4hlen und an ihnen \u00f6ffentlichkeitswirksam die gro\u00dfe Bedeutung des Themas f\u00fcr politische Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen hervorzuheben Der Querschnittsanspruch von Geschlechtergerechtigkeit darf dabei nicht verloren gehen.<\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div class=\"tinyText\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gender und Geschlechtergerechtigkeit bei B\u00fcndnis 90\/DIE GR\u00dcNEN Nach der Bundesdelegiertenkonferenz im Dezember 2006 in K\u00f6ln entschloss sich der Bundesvorstand, eine Arbeitsgruppe zum Thema Geschlechtergerechtigkeit einzurichten. 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